Anekdoten

Die folgenden Geschichten stammen aus der mündlichen Überlieferung und müssen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen.


Die Buren und die Engländer

In der Zwischenkriegszeit gab es in Seefeld zwei Musikkapellen. Zum einen waren es die „Buren“, Musikanten der alten Seefelder Bürgerschaft und zum anderen die „Engländer“, denen die sieben Buben der Fam. Wanner („Bäckeler“), welche aus Inzing stammen und ein paar Einheimischen angehörten. Die beiden Gruppen mochten einander nicht besonders, da sie verschiedene politische Ansichten hatten.

Kurz vor einer Prozession vermißten die Burenmusik ihre Marschbücher. Die feindliche Musikgruppe hat die Noten entwendet und versenkten diese in der Jauchegrube des Pfarrhofes. Während der Heiligen Messe mußten die Bestohlenen die Notenblätter aus der Grube holen, säubern und am Pfarrhügel zum Trocknen auflegen.

Bis zum Beginn des Umganges waren die Noten wieder in Ordnung und die „Buren“ konnten zur Verwunderung der „Engländer“ die Prozession musikalisch gestalten.


Die Biermarken

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen wieder viele Gäste zur Sommerfrische nach Seefeld. Die Musikkapelle konzertierte bereits zweimal in der Woche und bekam von manchen Zuhörern ein Faß Bier spendiert. Im Laufe eines Sommers kamen ca. 700 Liter Bier zusammen und konnten verständlicherweise nicht sofort konsumiert werden. Die Fässer wurden an Gasthöfe verkauft und die Musikkapelle erhielt von den Wirtsleuten den Gegenwert in Bierbons. Diese wurden während der Winterzeit nach den Proben in den Gasthäusern eingelöst.

In den 30-iger Jahren wurden unter Kapellmeister Karl Mühlberger die heutigen Biermarken vom Ausschuß der Musikkapelle eingeführt, und nach jedem Ausrücken oder jeder Probe wurde an die Musikanten je eine Marke ausgeteilt.


Die Blutsbrüderschaft

Im Jahre 1948 wurden Walter Nairz und Andrä Tiefenbrunner jun. von Sailer Johann („Glaser Hans“) angesprochen, ob sie nicht der Musikkapelle beitreten wollen und ihnen wird versprochen, daß beide dann an der geplanten Werbefahrt nach Meran und Mailand (1950) teilnehmen dürften.

Die Freunde waren begeistert und beschlossen mit einer Blutsbrüderschaft (sie ritzen die Haut am Oberarm auf und legen die Wunden aneinander) Mitglieder der Musikkapelle zu werden.

Sie übten fleißig und wurden von Sailer Johann unterrichtet. Nach zwei Jahren war es endlich soweit, die Blutsbrüder durften bei der Musikkapelle mitmusizieren und an der Werbefahrt nach Mailand und Meran teilnehmen.

Stolz und erhobenen Hauptes marschierten beide in der Musikkapelle beim 1. Aufmarsch mit und bliesen mit voller Lautstärke in ihre Instrumente. In den vorderen Reihen spielte ein ausgezeichneter Flügelhornist, Gottlieb Weissbacher aus Natters. Dieser drehte sich kopfschüttelnd und schimpfend zu den laut und falsch musizierenden Freunden um. Etwas geschockt absolvierten die Blutsbrüder die restlichen Auftritte mit angesetztem Instrument, jedoch ohne ihm einen Ton zu entlocken.